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Weitere Projekte

Der Zentralverband mobilisiert alle Kräfte und nutzt sämtliche Chancen, um den Fachkräftemangel zu meistern und den Nachwuchs fürs Bäckerhandwerk zu sichern. Was davon im Berichtszeitraum konkret geschehen ist, zeigt die folgende Zusammenstellung.

Auszubildende aus dem Ausland

Für das Bäckerhandwerk wird die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte immer wichtiger. Seit 2020 setzt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz den rechtlichen Rahmen für eine entsprechende Ausbildung. Im Sinne der Betriebe hat sich der Zentralverband im Berichtszeitraum dafür stark gemacht, ausländische Potenziale so schnell wie möglich zu heben. Um gezielt Auszubildende aus Nordafrika für das Bäckerhandwerk zu gewinnen, hat er sich bereits im zweiten Jahr am THAMM-Projekt beteiligt.

THAMM steht für „Towards a Holistic Approach to Labour Migration Governance and Labour Mobility in North Africa“. Im Deutschen nennt sich das Projekt „Unterstützung regulärer Arbeitsmigration und -mobilität zwischen Nordafrika und Europa“. Es handelt sich um ein Pilotprojekt, bei dem der Zentralverband mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und der Bundesagentur für Arbeit kooperiert. Das Projekt wird im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durchgeführt und von der Europäischen Union kofinanziert. Was leistet das Projekt? THAMM versteht sich als Service für Betriebe des Bäckerhandwerks, der Fachkräfte beschafft und Teams bereichert. Vor Ort in Ägypten und Tunesien wählte das THAMM-Team bereits im November 2022 Bewerber anhand formaler Kriterien und persönlicher Auswahlgespräche aus. Aus einer Vielzahl an Interessenten wurden insgesamt 37 geeignete und hoch motivierte Kandidaten für eine Ausbildung im Bäckerhandwerk nominiert. Bis zum Beginn der Ausbildung im September 2023 absolvieren sie Deutschkurse bis zum Niveau B1 und werden durch Informationsveranstaltungen auf das Leben und Arbeiten in Deutschland vorbereitet. Das THAMM-Team koordiniert sämtliche Aktivitäten: von der Rekrutierung in den Herkunftsländern über die sprachliche und interkulturelle Vorbereitung und den Visumsprozess bis zur Einreise. Auch nach der Einreise werden Ausbildungsbetriebe und Azubis betreut, etwa durch eine regelmäßige telefonische Sprechstunde.

Um von THAMM zu profitieren, müssen Ausbildungsbetriebe bestimmte Kriterien erfüllen. Zum Beispiel zahlen sie eine Ausbildungsvergütung von mindestens 939 Euro brutto pro Monat. Dies ist auch die Voraussetzung für die Visumerteilung. Zudem helfen teilnehmende Ausbildungsbetriebe bei der Organisation einer adäquaten, nicht zu teuren Unterbringung für die Azubis, übernehmen die Flugkosten aus dem Herkunftsland nach Deutschland und unterstützen einen weiterführenden Deutschsprachkurs nach Ausbildungsbeginn.

 

 

 

Deutsche Meisterschaft der Bäckerjugend wirbt für das Bäckerhandwerk

Zudem nutzt der Zentralverband gezielt die traditionelle „Deutsche Meisterschaft der Bäckerjugend“, kurz DMBJ, um beim Nachwuchs bewusst für das Bäckerhandwerk als Branche mit beruflicher Perspektive zu werben. Auch die Öffentlichkeit wird so für die Bedeutung der Ausbildungsleistungen des Bäckerhandwerks sensibilisiert und begabte Lehrlinge werden in ihrer Entwicklung gefördert. Seit 1954 veranstaltet der Zentralverband die DMBJ jährlich unter den besten Absolventen eines Abschlussjahrgangs. Die Wettbewerbe finden parallel für Bäcker als auch Bäckereifachverkäufer statt. Die Erstplatzierten gewinnen umfangreiche Fortbildungen. Die drei Besten im Wettbewerb für Bäcker werden nach dem Wettbewerb zu gemeinsamen Trainings an die Bundesakademie eingeladen, in denen sie auch von Mitgliedern der Deutschen Bäckernationalmannschaft für internationale Wettbewerbe trainiert werden. Wer an der bundesweiten DMBJ teilnimmt, konnte sich zuvor schon regional in Innungs-, Kammer- bzw. Landeswettbewerben durchsetzen. Diese werden von den Landesinnungsverbänden, Bäckerinnungen und Handwerkskammern veranstaltet.

Von der Teilnahme am Leistungswettbewerb profitieren auch die Betriebe: durch den Ruf als guter Ausbildungsbetrieb, durch Wettbewerbsvorteile in der Region und die Chance auf mehr Absatz sowie durch die Attraktivität für neue Azubis. Der Zentralverband ruft alle Ausbildungsbetriebe auf, ihren Auszubildenden die Teilnahme am Leistungswettbewerb zu ermöglichen. Dieses Jahr findet die DMBJ vom 18. bis 21. November 2023 an der Bundesakademie Weinheim statt. Das Motto lautet „Leidenschaft“. Dieses Video gibt einen Eindruck davon, wie die DMBJ abläuft.

Lern-App „Lunes“ hilft beim Pauken von Fachvokabeln

Menschen mit Deutsch als Zweitsprache stehen beim Übergang in Ausbildung und Beruf vor besonderen Herausforderungen. Der Zentralverband übernahm daher die Berufspatenschaft für die kostenlose Lunes-App. Die App unterstützt Mitarbeiter in Betrieben dabei, Fachwörter und berufsspezifische Vokabeln zu lernen. Inzwischen enthält sie allein fürs Bäckerhandwerk 31 Module mit mehr als 250 Vokabeln. Viele davon sind bebildert und enthalten ergänzend eine Vorlesefunktion. Das Lernen und Behalten wird durch verschiedene Übungsformen gefördert – etwa durch Single Choice, das Üben von Artikeln oder das Wörterschreiben. Der Zentralverband wird zusammen mit Lunes das Angebot an Vokabeln und Bildern immer weiter ausbauen – sowohl für Bäcker als auch für Bäckereifachverkäufer.

 

 

 Portal „Leando“ soll Ausbilder und Prüfer vernetzen

Im November 2023 soll darüber hinaus das Portal Leando an den Start gehen: Es bietet Ausbildern und Prüfern die Möglichkeit, sich zu vernetzen, Wissen zu bündeln und den Austausch untereinander zu fördern. Im Berichtszeitraum legte der Zentralverband beim Ausbildungsgipfel in Weinheim den Grundstein dafür. Leando ist ein Projekt des Bundesinstituts für Berufsbildung, das von der Bundesregierung gefördert wird. Das Portal befindet sich im Aufbau und soll branchenübergreifend zur zentralen Anlaufstelle für Wissen rund um die tägliche Ausbildungs‐ und Prüfungspraxis werden. Für das Bäckerhandwerk hat der Zentralverband den Zuschlag erhalten, zusammen mit der Bundesakademie und weiteren Fachschulen aus dem ADB-Verbund eine Community zu „Lern‐ und Arbeitsaufgaben im Bäckerhandwerk“ zu entwickeln. Ausbilder und Prüfer können aktiv an der Gestaltung mitwirken und ihre Praxiserfahrungen einbringen. Der Zentralverband wird bis Ende 2024 am Portal Leando mitwirken.

Leando hat das Potenzial, die Arbeit für Ausbilder und Prüfer deutlich einfacher zu machen. Schließlich prägen sie die Berufsausbildung im gesamten Bäckerhandwerk und tragen Verantwortung für die Ausbildung von über 12.000 Azubis. Die strukturierte Einarbeitung, die Zusammenarbeit mit den Lernortkooperationspartnern und die Vorbereitung auf die Prüfung am Ende der Ausbildung sind nur einige Aspekte, die das Ausbildungspersonal zu meistern hat. Eine wachsende Herausforderung für das Ausbildungspersonal ist zudem, dass die Gruppe der Azubis immer heterogener wird. Entscheidende Impulse für Leando lieferte der Ausbildungsgipfel im Sommer 2022. Er ermöglichte an zwei Tagen in neun Workshops Diskussionen und Lösungsansätze, wie die Ausbildung im Bäckerhandwerk modern und attraktiv bleiben und immer besser werden kann.

Das Bachelorstudium „Bäckereimanagement“ geht ins dritte Jahr
Darüber hinaus startet im Oktober 2023 der dritte Jahrgang des Studiums Bäckereimanagement an der Bundesakademie des Zentralverbandes. Das deutschlandweit erste Studium dieser Art wird angeboten von der staatlich anerkannten Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim und in Kooperation mit den Fachschulen des Bäckerhandwerks im ADB-Verbund. Die Absolventen erhalten den anerkannten Titel „Bachelor of Arts Business Management“ mit dem Schwerpunkt Bäckereimanagement.

Das Studium findet größtenteils online statt. Enthalten sind zwei Wochen Präsenzveranstaltungen pro Semester, um sich an die Arbeitszeiten der Betriebe anzupassen. So können Studierende ihr Wissen ausbauen und Berufs- und Privatleben miteinander vereinbaren. Vorteil für Bäckermeister: Aufgrund ihrer Vorqualifikation müssen sie weniger Leistungspunkte erreichen und sparen Zeit. Ihnen werden 46 Leistungspunkte, sogenannte ECTS-Punkte, angerechnet und eineinhalb Semester erlassen. Das praxis- und zukunftsorientierte Studium umfasst Lernstoff zu Betriebswirtschaftslehre, Marketing, Human Ressource Management, Finanzierung und Investition, Risikomanagement, Bäckereimanagement, Controlling und Reporting, Prozessmanagement, Mitarbeiterführung, Nachhaltigkeitsmanagement, Verantwortungsvolle Unternehmensführung, Innovationsmanagement und Entrepreneurship.